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22. September 2026 | meteocontrol

Was wir von Bienen über Teamwork lernen können

Wer an Bienen denkt, denkt meist an Honig, Blüten oder den berühmten Bienentanz. Unser Kollege Jens Wening schaut jedoch noch etwas genauer hin. Er ist nicht nur Senior Vice President Supply Chain & Internal Engineering, sondern in seiner Freizeit auch leidenschaftlicher Imker – der Bienenstock vor unserem Bürogebäude zum Beispiel steht unter seiner Obhut.

Im Gespräch mit uns hat Jens erklärt, warum ihn das Zusammenleben eines Bienenvolks immer wieder fasziniert und welche Parallelen sich zu erfolgreichem Teamwork ziehen lassen.

Führung gibt Orientierung

Eine weit verbreitete Annahme ist, dass die Bienenkönigin das Volk kontrolliert. Tatsächlich sieht ihre Rolle ganz anders aus: „Die Königin ist nicht die Chefin.“ Wie Jens erklärt, spielt die Königin eine zentrale Rolle für den Zusammenhalt und Fortbestand des Volkes. Die einzelnen Aufgaben der Bienen steuert sie jedoch nicht. Für Jens steckt darin ein interessanter Gedanke für Führung: Nicht jede einzelne Aufgabe muss vorgegeben werden. Entscheidend sind Orientierung, ein gemeinsamer Rahmen und Teams, die innerhalb dieses Rahmens eigenständig handeln können.

Dynamische Rollen

In einem Bienenvolk übernimmt nicht jede Biene ihr ganzes Leben dieselbe Aufgabe. Die Rollen wechseln je nach Alter, Jahreszeit, Bedarf und Zustand des Volkes. Auch in Unternehmen verändern sich Aufgaben. Neue Prioritäten entstehen, Kolleginnen und Kollegen entwickeln sich weiter oder vertreten sich gegenseitig während Urlaub oder Krankheit. So bleibt ein Team anpassungsfähig, auch wenn sich Rollen, Aufgaben und Prioritäten verändern.

Effiziente Kommunikation

Die Kommunikation im Bienenvolk ist erstaunlich. Bienen verständigen sich über Pheromone, Tänze, Vibrationen und ihr Verhalten. Jens beschreibt, wie schnell Informationen innerhalb eines Bienenvolks weitergegeben werden und wie viele Prozesse ohne zentrale Steuerung funktionieren. Auch für Teams ist das eine wichtige Erkenntnis: Eine klare Kommunikation hilft dabei, Entscheidungen effizient zu treffen, selbst wenn viele Menschen beteiligt sind.

Veränderung gehört dazu

Ein Bienenvolk ist kein statisches System. Rollen verändern sich, das Volk passt sich an seine Umgebung an und entwickelt sich weiter. Auch in Unternehmen verschieben sich Aufgaben und Prioritäten, Menschen übernehmen neue Rollen und Teams entwickeln sich weiter. 

Resilienz in schwierigen Zeiten

Für Bienen ist der Winter jedes Jahr eine Herausforderung. Sind genügend Vorräte vorhanden? Ist das Volk gesund? Kann es den Winter überstehen? Im Winter zeigt sich, wie widerstandsfähig ein Bienenvolk als Ganzes ist. Vorräte, Gesundheit und Zusammenspiel entscheiden darüber, wie gut es durch diese Phase kommt. Dieser Gedanke der Resilienz lässt sich auch auf Organisationen übertragen: Strukturen und Teams sollten nicht nur unter idealen Bedingungen funktionieren. 

Stärke zeigt sich im Gesamtsystem

Für Jens liegt eine der größten Gemeinsamkeiten zwischen einem Bienenvolk und einem erfolgreichen Team im Zusammenspiel aller Beteiligten. Ein Bienenvolk profitiert nicht von einzelnen besonders leistungsfähigen „Superbienen“. Entscheidend ist, dass das Gesamtsystem funktioniert und jede Biene ihren einzelnen Beitrag leistet.

Auch Wissen und Verantwortung sind auf viele Tiere verteilt. Das Volk ist dadurch nicht von einem einzelnen Tier abhängig. Diese Verteilung macht es besonders widerstandsfähig. Die Bienen arbeiten auf das Funktionieren des gesamten Volkes hin. „Das ist vielleicht bei einer Firma etwas zu idealistisch, dennoch kann man dem gemeinsamen Arbeiten einen Sinn geben“. Zum Beispiel, das Ziel der Energiewende mit 100% erneuerbare Energien zu verfolgen.

Weniger Kontrolle kann mehr bewirken

Eine Erfahrung aus der Imkerei bringt Jens besonders gerne neuen Imkerinnen und Imkern bei: „Man kann ein Volk auch "tot schauen", das heißt, wenn ich jeden zweiten Tag ins Volk schaue, um es zu kontrollieren, bringe ich mehr Unruhe rein, als dass es förderlich ist. Ähnlich kann es auch in Unternehmen sein. Wer ständig eingreift, neu priorisiert oder kontrolliert, kann eigenständiges Arbeiten erschweren. Gute Teams brauchen Vertrauen und genügend Freiraum, um eigenständig handeln zu können.

Wo der Vergleich Grenzen hat

Natürlich hat der Vergleich Grenzen. Menschen wollen ihre Aufgaben mitgestalten, sich individuell entwickeln und eigene Entscheidungen treffen. Ein Unternehmen ist kein Bienenstock. Trotzdem lassen sich aus dessen Organisation interessante Gedanken über Zusammenarbeit ableiten. 

Was können wir daraus mitnehmen?

Was können wir also aus Jens' Beobachtungen mitnehmen? 

  • Selbstorganisation
  • Klare, effiziente Kommunikation
  • Resilienz
  • Sinnvolle Rollenverteilung
  • Gemeinsame Richtung

Und vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Bienenstock: Die Stärke eines Teams liegt nicht in einzelnen „Superbienen“, sondern darin, wie gut unterschiedliche Fähigkeiten und Aufgaben zusammenspielen.

Jens Wening

Jens Wening ist Senior Vice President Supply Chain & Internal Engineering bei meteocontrol. Gemeinsam mit seinen Teams beschäftigt er sich damit, wie Prozesse, Strukturen und technische Lösungen verlässlich funktionieren und sich gleichzeitig weiterentwickeln können. Themen wie Resilienz, Qualität und Nachhaltigkeit spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch privat beschäftigt ihn die Frage, wie komplexe Systeme funktionieren: Jens ist leidenschaftlicher Imker und betreut unter anderem das Bienenvolk am Augsburger Firmenstandort.