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20. Mai 2022 | meteocontrol

„Biene“ ist auch nur ein anderes Wort für „Superheld“

© Jens Wening

Ein Interview mit unserem Imker-Kollegen

Der Sommer steht bereits vor der Tür, und das bedeutet, dass die Zeit vom Frühstücken und Grillen auf Balkonen und in Gärten gekommen ist. Alle Arten von Insekten werden von den Leckereien auf unseren Tischen angelockt, und viele neigen dazu, innerhalb eines Augenblicks nach der Fliegenklatsche zu greifen.

Warum Sie nicht einfach Ihrem ersten Instinkt folgen sollten? Es könnte eine Biene sein. Zwar werden zumeist Wespen und andere Insekten von unserem Essen angelockt, aber Bienen sind neben anderen Arten von Bestäubern unverzichtbar für die Artenvielfalt und die Nahrungsmittelsicherheit. Vor drei Jahren war bereits etwa ein Drittel der Bienen- und Schmetterlingsvölker in Europa stark rückläufig. Zu den Ursachen für das Insekten- und damit auch Bienensterben zählen unter anderem der übermäßige Gebrauch von Pestiziden, der Klimawandel und die damit verbundenen Wetterextreme1.

Heute ist Weltbienentag und einer unserer Kollegen, Jens Wening, hat uns ein exklusives Interview über sein Leben als Hobby-Imker gegeben und uns wieder vor Augen geführt, warum diese Tiere so wichtig für die Menschheit sind.

 


 

mc: Hallo Jens, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Lass uns doch gleich starten. Wie bist du zur Imkerei gekommen?

Jens: Mich haben Bienen und Honig schon immer fasziniert. Leider gibt es bei mir in der Familie niemanden der imkert und deswegen war es für mich sehr schwer Zugang zu finden. Auf dem Weihnachtsmarkt in Friedberg gab es allerdings einen Stand des Imkervereins mit der Ankündigung, dass ein Probeimkern angeboten wird. Diese Gelegenheit habe ich dann ergriffen – das ist nun schon fast 10 Jahre her.

© Jens Wening

mc: Wow, das ist eine ziemlich lange Zeit! Das spricht für deine Leidenschaft zum Imkern. Was genau macht dir dabei am meisten Spaß?

Jens: Mir macht vor Allem das Arbeiten MIT den Bienen Spaß. Der Honigertrag ist für mich an zweiter Stelle und ich möchte in erster Linie gesunde und vitale Völker. Dafür betreibe ich auch eine Zucht und fahre mit den Königinnen auf Belegstellen. Der Zeitbedarf hängt sehr stark von der Jahreszeit ab. Im Winter ist die ruhige Zeit für den Imker – dort werden die Beuten und die Rähmchen repariert und Vorbereitungen für das Frühjahr getroffen. Im April und Mai ist die Hochzeit – dort wollen die Bienen schwärmen und bei den Völkern steht die Vermehrung und Zucht an. Je nach Witterung und Tracht wird Ende Juli abgeschleudert und die Völker werden auf den Winter vorbereitet, dann wird es auch wieder ruhiger bei den Bienen.

mc: Wo wir schon von deinen Bienen und Bienenstöcken sprechen: ich habe in Vorbereitung auf dieses Interview mir ein paar Daten angesehen. Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes haben 96% der befragten Mitglieder zwischen 0 und 25 Bienenvölker2. Wie viele Bienenvölker hast du und wie viel Honig produzieren sie?

Jens: Aktuell habe ich 10 Wirtschaftsvölker, d.h. Völker, die Honigertrag bringen. In guten Jahren sind bis zu 200kg Honig möglich. Zudem habe ich noch 8 Zuchtvölker und 12 Ableger, d.h. Völker, die ich dieses Jahr nachgezogen habe und im nächsten Jahr zu Wirtschaftsvölkern werden.

© Jens Wening

mc: Habe ich das richtig verstanden, 200kg Honig?! Was machst du mit so einer riesigen Menge?

Jens: Naja, diese 200kg sind in guten Jahren möglich, allerdings war letztes Jahr z.B. auch eher ein schlechtes Jahr und deswegen dann weniger Ertrag. Ich verteile den Honig dann immer in meinem Familienkreis, an Nachbarn und Freunde.

mc: Gut, dass du für den Fall eines ertragreichen Jahres treue Abnehmer hast;) Und... wie schaffst du es, so viel Zeit zu investieren, während du gleichzeitig Vollzeit als Senior Vice President Supply Chain & Internal Engineering für meteocontrol arbeitest? Wie viele Wochenstunden verbringst du eigentlich als Imker? Versteh‘ mich nicht falsch, wir schätzen es sehr, dich bei mc zu haben! Ich habe ja schon das Gefühl, dass mein Tag viel zu wenig Stunden hat für all das, was ich tun will oder muss!

Jens: Im Schnitt sind es in arbeitsintensiven Monaten zwischen 10 und 15 Stunden pro Woche. Bei diesem Hobby ist auch die Flexibilität der Arbeitszeit die meteocontrol zu Verfügung stellt, sehr wichtig. Ohne diese Flexibilität wäre für mich dieses Hobby schwieriger zu realisieren.

mc: Das kann ich mir gut vorstellen. Unterstützt deine Familie dich auch?

Jens: Meine Familie findet mein Hobby sehr toll, auch wenn es im April und Mai schon sehr viel zu tun gibt. Mein Sohn (4 Jahre) liebt den Honig über Alles und meine Tochter (5 Jahre) hat schon ihren eigenen Imkeranzug und möchte auch selbst einmal Bienen haben.

© Jens Wening

mc: Das freut mich zu hören. Hast du zum Schluss noch Tipps für potentielle Imker oder diejenigen, die sich für das Thema interessieren?

Jens: Ich empfehle jedem, sich einen Imkerverein zu suchen. Auch ein Imkerpate kann sehr hilfreich sein, da er der Neu-Imkern über die Schulter schauen kann und mit Rat und Tat zur Seite steht. Durch den Klimawandel und die Globalisierung werden immer mehr Schädlinge eingeschleppt und damit steigen auch die Herausforderungen an die Imker, da die Bienen diese Schädlinge nicht als natürliche Feinde erkennen. Die Varroamilbe existiert schon sehr lange und wir haben damit gelernt zu leben. Neue Bedrohungen sind der kleine Beutenkäfer und die Asiatische Hornisse "Vespa velutina“. Auch gibt es einige Regularien und Vorschriften zu beachten – wenn man jemanden hat der zur Seite steht, hilft das, diese Hürden zu überwinden.

mc: Tolle Tipps, jetzt gibt es also keine Ausreden mehr für alle, die die Imkerei auf ihrer Bucket-List haben! Ich habe nur noch eine Frage an dich. So wie die Arbeit, die wir hier bei meteocontrol leisten, zu der Energiewende und einer nachhaltigeren Zukunft beiträgt, spielen auch die Bienen eine entscheidende Rolle in unserem Ökosystem, oder?

Jens: Richtig, Bienen sind in erster Linie für das Ökosystem und uns Menschen wichtig. Die Bienen stellen hier als Bestäuber der Blüten uns eine sehr wichtige Dienstleistung zu Verfügung. Beispielsweise ist der Ertrag bei der Apfelernte ohne eine Bestäubung durch die Bienen nur bei 45% im Vergleich zu der Ernte, wenn die Blüten durch Bienen bestäubt worden sind.

Mir gefällt besonders gut das folgende Zitat:

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“ (Zitat Albert Einstein, 1949).

mc: Nach all den interessanten Informationen und der Auffrischung über die Bedeutung der Bienen, bin ich sicher, dass jeder in diesem Frühjahr und Sommer noch einmal nachsieht, bevor er zur Fliegenklatsche greifen wird. Vielen Dank für deine Zeit und deinen Beitrag!

 


Quellen:

1Europaparlament, letzter Zugriff am 17.05.2022, 20:20 CEST

2Deutscher Imkerbund, letzter Zugriff am 17.05.2022, 20:22 CEST